Deutschland und Brasilien: Engere Zusammenarbeit bei Klimaschutz und Rohstoffen

von | Dez 2023

Neue Partnerschaft zielt auf Förderung lokaler Wertschöpfungsketten und nachhaltige Wasserstoffproduktion ab.

Deutschland und Brasilien wollen zusammen den Klimaschutz und die Dekarbonisierung der Industrie voranbringen. Wie die Bundesregierung mitteilte, haben Kanzler Olaf Scholz und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im Rahmen der Regierungskonsultationen beider Länder eine entsprechende „Partnerschaft für eine sozial gerechte und ökologische Transformation“ unterzeichnet.

Die Staaten verbindet seit 15 Jahren bereits eine strategische Partnerschaft, die den gemeinsamen Einsatz für mehr Nachhaltigkeit vorsieht. Die vertiefte Zusammenarbeit zielt nun unter anderem auf den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten für Rohstoffe ab, unter Berücksichtigung von Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Sozialfragen (ESG-Richtlinien), wie es in der Erklärung beider Länder heißt. Brasilien verfügt neben fossilen Rohstoffen über bedeutende Vorkommen an Mineralien für die Energiewende, wie die Batteriematerialien Nickel, Kupfer, Graphit und Lithium. Das Land hat auch signifikante, bislang nur wenig geförderte Lagerstätten Seltener Erden, die für Elektromotoren und Windkraftanlagen benötigt werden. Besonders interessant könnte Brasilien als künftige Quelle schwerer Seltener Erden wie Dysprosium sein, die als besonders kritisch gelten und deren Produktion derzeit auf China und Myanmar konzentriert ist.

Großes Potenzial an Erneuerbaren Energien

Auch grüner Wasserstoff, der mithilfe Erneuerbarer Energien hergestellt wird, soll bei der engeren Kooperation zwischen den beiden Staaten eine wichtige Rolle spielen. Brasilien gewinnt bereits jetzt den größten Teil seines Stroms aus regenerativen Quellen, mit Potenzial für den weiteren Ausbau etwa von Wind- und Solarkraft.

Die zwei Länder gaben außerdem an, sich für den zügigen Abschluss des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur einzusetzen. Dadurch entstünde die weltweit größte Freihandelszone mit über 700 Millionen Einwohnern. Die Verhandlungen dazu laufen jedoch bereits seit 1999, nach einer Einigung 2019 liegt das Abkommen derzeit auf Eis.

Deutsche und europäische Regierungsvertreter werben in jüngster Zeit verstärkt um neue Partnerschaften mit den Ländern Lateinamerikas, da sie angesichts geopolitischer Spannungen ihre Lieferketten breiter aufstellen und einseitige Abhängigkeiten vor allem von Russland und China abbauen wollen. Das große Potenzial Lateinamerikas für Erneuerbare Energien und Rohstoffe, aber auch die Herausforderungen der Region zeigte kürzlich die erste Analyse der Internationalen Energieagentur IEA (wir berichteten) auf.

Photo: iStock/MicroStockHub

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