Kritische Rohstoffe: Brasilien im Aufwind

von | Jan 2024

Der Vorreiter bei Erneuerbaren Energien baut nun auch seinen Einfluss im Mineraliensektor aus.

Brasilien zählt nicht nur zu den weltweiten Spitzenreitern bei der Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien, sondern will auch mehr von seinem natürlichen Reichtum an kritischen Mineralien für die klimafreundliche Transformation profitieren. Das Land ist bereits der weltweit größte Produzent von Niob (PDF), das vor allem als Legierungszusatz in der Stahlindustrie verwendet wird, und ein bedeutender Produzent der Batteriematerialien Graphit und Nickel. In Brasilien befinden sich überdies die weltweit drittgrößten und noch weitgehend unerschlossenen Reserven Seltener Erden, wie Zahlen des US Geological Survey (PDF) zeigen. Insbesondere als künftige Quelle der sogenannten schweren Vertreter dieser Rohstoffgruppe, die deutlich seltener und damit teurer und kritischer sind, könnte der Staat an Bedeutung gewinnen.

Aktuell verhandele Brasilien mit Saudi-Arabien über Bergbauinvestitionen, berichtete kürzlich Mining.com. Hochrangige Beamte beider Länder hätten sich diesbezüglich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ausgetauscht. Der Golfstaat sei bereits in brasilianische Bergbauanlagen investiert.

Das große Potenzial Brasiliens und der gesamten Region Lateinamerika haben unlängst auch westliche Mächte wie die USA und die EU erkannt, die ihre Investitionen speziell in Mineralien und Erneuerbare Energien ausbauen wollen. Doch auch Rohstoffgigant China bleibt nicht untätig. Seit Jahrzehnten investiert die Volksrepublik massiv in die Infrastruktur des sogenannten Globalen Südens und sichert sich im Gegenzug häufig den Zugriff auf dortige Mineralien zur anschließenden Weiterverarbeitung im eigenen Land. Um mit dem Westen zu konkurrieren, werden Chinas Investitionen zunehmend auf strategische Sektoren wie Technologie, Erneuerbare Energien und Rohstoffe verlagert, berichtet die Financial Times (Paywall) auf Grundlage einer Studie des US-Think-Tanks Inter-American Dialogue. Diese Schlüsselbereiche stimmten mit Pekings eigenen wirtschaftlichen Wachstumszielen überein. Mit 78,6 Milliarden US-Dollar bzw. 42 Prozent der Gesamtsumme sei Brasilien in den zwei Jahrzehnten bis 2022 der Hauptempfänger von Chinas Investitionen gewesen.

Doch das größte Land Südamerikas gewinnt nicht nur als Ziel ausländischer Investitionen an Attraktivität, sondern baut auch seine eigene Zusammenarbeit mit anderen aufstrebenden Wirtschaftsnationen aus. So wurde etwa mit dem G20-Partner Indien eine intensivere Zusammenarbeit im Energiebereich beschlossen, mit der weltweit beschleunigten Einführung nachhaltiger Biokraftstoffe als einem der wichtigsten Ziele. Beide Länder waren letztes Jahr auch an der Gründung der Globalen Biokraftstoff-Allianz beteiligt, Brasilien ist nach den USA der größte Produzent.

Photo: iStock/Oleksii Liskonih

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