Rückgänge in der Metallproduktion und hohe Energiekosten belasten erschweren zentrale Industrieziele der EU-Rohstoffpolitik.
Die deutsche Metallerzeugung und -verarbeitung steht weiter unter Druck, zeigen neueste Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis). Demnach war die Produktion im März 2026 um 12,9 Prozent niedriger als im Februar 2022, also dem Zeitraum unmittelbar vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Dieser hatte drastische Umwälzungen der europäischen Energie- und Rohstoffmärkten zur Folge. Neben dem Produktionsrückgang fiel seitdem auch die Beschäftigung in der deutschen Metallbranche um rund 16.000 Personen.
Ähnliche Muster zeigen sich in anderen energieintensiven Industriezweigen wie Glas, Glaswaren und Keramik oder Chemie. Als Ursachen gelten vor allem die seit 2022 deutlich gestiegenen Energiepreise und die allgemein schwache Industriekonjunktur in Europa. Auch die zuletzt wieder höheren Öl- und Gaspreisen infolge geopolitischer Spannungen spielen eine Rolle.
CRMA: EU braucht wettbewerbsfähige Raffinationskapazitäten
Die Entwicklung gerade im Metallsektor ist auch mit Blick auf den Critical Raw Materials Act (CRMA) problematisch. Um ihre Rohstoffversorgung zu verbessern, will die EU bis 2030 40 Prozent ihrer benötigten strategischen Materialien heimisch verarbeiten und 25 Prozent über Recycling decken. Dazu braucht es jedoch wettbewerbsfähige Kapazitäten in den Bereichen Metallurgie, Raffination und Recycling. Erst kürzlich hatte eine Analyse des Europäischen Rechnungshofs gezeigt, dass die Umsetzung der CRMA-Ziele zu scheitern droht (wir berichteten).
Industriestrompreis bringt voraussichtlich nur teilweise Entlastung
Um energieintensive Sektoren zu entlasten, hatte die Bundesregierung im April 2026 die Einführung eines Industriestrompreises für die Jahre 2026 bis 2028 angekündigt. Die Maßnahme soll die Stromkosten für einen Teil des Verbrauchs senken; andere Bestandteile des Strompreises wie Netzentgelte, Steuern und Abgaben sowie der restliche Verbrauch bleiben unverändert bestehen.
Die Bewertung des Instruments fällt entsprechend gemischt aus. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) etwa sieht den Industriestrompreis vor allem als kurzfristige Maßnahme mit möglichen Wettbewerbsverzerrungen und geringeren Anreizen für mehr Energieeffizienz.
Solange Strom und Gas in Deutschland also deutlich teurer bleiben als an anderen Industriestandorten und die heimische Metallverarbeitung weiter zurückgeht, ist auch die Erreichung der CRMA-Ziele erschwert. Damit bleibt das Risiko bestehen, dass die Abhängigkeit von Importen und ausländischen Vorprodukten nur begrenzt reduziert werden kann.
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